Interview mit Feuerwehrfrau Christiane Staab (MdL)
Im Rahmen der Artikelserie "Walldorf Resilient" hat Clemens Kriesel die Landtagsabgeordnete Christiane Staab zu ihrem Ehrenamt bei der Feuerwehr interviewt:
Frage: Christiane, ich habe schon einige Male erlebt, dass bei Dir plötzlich ein Alarm losgegangen ist. Was machst Du, wenn der Alarm kommt?
Antwort: Wenn ein Alarm auf dem Piepser kommt, prüfe ich, ob ich in den Einsatz gehen kann. Wenn ich feststelle, dass das der Fall ist, mache ich mich auf den Weg zur Einsatzstelle.
Frage: Was hat Dich ursprünglich dazu bewegt, Dich bei der Feuerwehr ehrenamtlich zu engagieren?
Antwort: Mich hat von Anfang an beeindruckt, dass bei der Feuerwehr Menschen zusammenkommen, die bereit sind, anderen in schwierigen Lebenslagen zu helfen. Es geht um Kameradschaft, Teamgeist und Gemeinsinn. Dieses Miteinander und das gemeinsame Ziel schweißen zusammen.
Frage: Welche Kenntnisse und Fähigkeiten hast Du durch Dein Engagement erworben – und welche Erfahrungen haben Dich dabei besonders geprägt?
Antwort: In der Grundausbildung zur Feuerwehrfrau habe ich die technischen Grundlagen gelernt, um Brände zu löschen und technische Hilfe zu leisten. Prägend war für mich aber auch, eigene Grenzen kennenzulernen und zu überwinden. Das Abseilen war zum Beispiel so ein Moment. Mit Höhenangst ist das zunächst schwierig – danach hatte ich keine mehr.
Ein ganz wesentlicher Teil meiner Arbeit ist außerdem der Umgang mit Menschen in absoluten Ausnahmesituationen. Man trifft auf Angehörige, Unfallbeteiligte oder Augenzeugen, die gerade etwas Schreckliches erlebt haben. Dafür gibt es natürlich eine Ausbildung, aber vieles lässt sich nicht theoretisch lernen. Jede Situation ist anders. Man muss sehr situativ arbeiten und spüren: Was braucht dieser Mensch jetzt? Diese Fähigkeit entwickelt sich auch durch die Erfahrung aus vielen Einsätzen.
Frage: Ein Ehrenamt bei der Feuerwehr bedeutet auch, dass ein Alarm jederzeit kommen kann. Wie geht Deine Familie und Dein persönliches Umfeld damit um?
Antwort: Letztlich müssen Familie und Freunde damit umgehen, dass Feuerwehrleute in den Einsatz gehen, wenn der Piepser piept. Ein solches Ehrenamt funktioniert nur, wenn ein grundsätzliches Verständnis dafür vorhanden ist.
Wenn dann beispielsweise das Mittagessen nicht pünktlich auf dem Tisch steht oder ich gerade erst die Hälfte der Wäsche aufgehängt habe, übernimmt das eben jemand anderes. Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie und mein Umfeld da voll hinter mir stehen.
Frage: Was bedeutet Dir die Gemeinschaft in der Feuerwehr? Was macht für Dich den besonderen Zusammenhalt aus?
Antwort: Die Gemeinschaft ist für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil der Feuerwehr. Man verlässt sich aufeinander – im Einsatz, bei der Ausbildung und auch darüber hinaus. Dieser Teamgeist und diese Kameradschaft tragen, weil alle wissen, dass wir im Ernstfall gemeinsam funktionieren müssen.
Frage: Was wünschen sich Feuerwehr und Ehrenamtliche wie Du von den Bürgerinnen und Bürgern?
Antwort: Wir wünschen uns vor allem Verständnis und Respekt für unsere Arbeit. Wir brauchen bei Einsätzen Platz, Raum und freie Straßen. Wenn wir Bereiche absperren, müssen wir uns darauf verlassen können, dass diese Absperrungen auch respektiert werden.
An Einsatzstellen werden teilweise schwer verletzte Menschen behandelt, Angehörige oder Kameraden befinden sich in Ausnahmesituationen. Da ist sehr viel Verletzlichkeit und Verletzung zu sehen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als wenn Menschen danebenstehen und filmen, sich einmischen oder sogar eine Absperrung verschieben, weil sie mit ihrem Auto unbedingt durchfahren möchten.
Eine Einsatzstelle ist ein Bereich, in dem Menschen arbeiten und andere Menschen Hilfe benötigen. Diesen Raum muss man respektieren. Und auch ein Martinshorn wird nicht grundlos eingeschaltet – auch nicht nachts um zwei. Wenn die Feuerwehr es benutzt, dann ist es notwendig.
Frage: Am 10. September ist Warntag. Willst Du uns verraten, ob und wie Du Dich auf den Tag vorbereitest?
Antwort: Der Warntag ist wichtig, weil er uns daran erinnert, dass Warnsysteme nur dann helfen, wenn die Menschen sie kennen und wissen, wie sie darauf reagieren müssen. Jeder sollte sich einmal bewusst machen: Wie werde ich eigentlich gewarnt? Was bedeutet eine Warnmeldung? Und weiß ich, was dann zu tun ist?
Dabei geht es nicht darum, Angst zu machen. Es geht darum, vorbereitet zu sein.
Frage: Du bist selbst Teil des Bevölkerungsschutzes und hast damit einen ganz persönlichen Blick auf das Thema Resilienz. Was möchtest Du den Leserinnen und Lesern unserer Artikelserie „Walldorf Resilient“ noch mitgeben?
Antwort: Ich durfte in der vergangenen Legislaturperiode in der Enquete-Kommission „Krisenfeste Gesellschaft“ mitarbeiten. Dort ging es darum, wie sich unsere Gesellschaft und unser Land in unterschiedlichen Bereichen stark und damit resilient aufstellen können, um auf Krisen und Katastrophen vorbereitet zu sein.
Wir brauchen einen starken und resilienten Staat. Das muss aber bis auf die Ebene jedes einzelnen Haushalts heruntergebrochen werden. Wir brauchen Menschen, die in schwierigen Situationen mit den Ressourcen umgehen können, die ihnen zur Verfügung stehen. Menschen müssen wieder lernen, eigene Ressourcen und eigene Kräfte zu entwickeln und wissen, wie sie sich in bestimmten Krisensituationen verhalten können.
Dazu gehört zum Beispiel, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Vorräte anzulegen. Dazu gehört, sich zumindest grundsätzlich selbst medizinisch versorgen zu können und nicht wegen jeder Kleinigkeit sofort auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
Und dazu gehört für mich ganz entscheidend auch die Nachbarschaft. Ich sollte wissen, wer um mich herum lebt, wer möglicherweise Hilfe benötigt und wen ich im Ernstfall unterstützen kann. Wir brauchen diese Krisenfestigkeit auf allen Ebenen. Aber jeder Einzelne ist gefordert und aufgefordert, sich zu fragen: Was kann ich selbst dazu beitragen?