Waldbegehung im Reilinger Eck, Roter Bruch und Hochholz
Am Samstag fand bei hochsommerlichen Temperaturen die jährliche Waldbegehung durch Gemeinderat und Forst, vertreten durch Herrn Schweigler, dem Leiter des Forstbezirks Kraichgau-Rheintal, und Herrn Achim Freund, unserem Revierförster, statt.
Neun Mitglieder des Gemeinderates wurden von BGM Renschler am Schützenhaus empfangen und los ging es Richtung Reilinger Eck zu einem von Trockenheit besonders betroffenem Waldareal. Gerade hier wurde der Einfluss des Bodens eindrucksvoll sichtbar. Vom ursprünglichen Rhein moduliert, wechselten Schwemmland und Sanddünen ab und gerade auf dem sandigen Untergrund sterben Fichten und Buchen besonders stark ab. Ein gewisser Hoffnungsträger ist die Eiche, die mit Trockenheit besser zurechtkommt. Hier wurde von der forstlichen Versuchsanstalt eine Fläche angelegt, auf der Sämlinge aus verschiedenen Regionen angepflanzt wurden, um Rückschlüsse ziehen zu können, welche genetischen Varianten die besten Ergebnisse zeigen. Ein langwieriger Prozess, der belastbare Ergebnisse erst in einigen Jahren erwarten lässt. Zwischenzeitlich setzt der Forst auf eine natürliche Verbreitung der Eiche durch den Eichelhäher, der sich auf sogenannten „Hähertischen“ bedienen kann und so zu einer natürlichen „ungeplanten“ Verbreitung der Eiche beiträgt.
Bei Trockenheit und Hitze steigt auch bei uns die Waldbrandgefahr! Am nächsten Stopp konnten wir uns den neuen Tiefbrunnen an der Gemarkungsgrenze ansehen. In der Hoffnung, nie auf ihn zurückgreifen zu müssen, gibt er doch ein Gefühl von Sicherheit.
Danach ging es weiter zur Neuanpflanzung im „Roter Bruch“, der letzten größeren Fläche südlich der A6 und der letzte Trittstein der Achse „Hochholz – Reiliner Eck“. Hier findet sich auch der „Balkanweg“ – eine alte historische Wegeverbindung in der Rheinebene nach Speyer, die das „fahrende Volk“ schon benutzt hat, als die Dörfer noch klein waren und es noch keine Straßen und Autobahnen gab.

Vor 25 Jahren als ökologische Ausgleichsfläche zum Bau der Südumgehung begonnen, ist hier mittlerweile ein junger vitaler Wald entstanden, der noch keine Schäden zeigt und sich in sattem Grün präsentiert. Hier wurde eine geschickte Mischung von unterschiedlichsten Baumarten und Buschwerk angepflanzt, so dass man von einer gelungenen Renaturierung sprechen kann. Auch das Mykorrhiza, die Symbiose zwischen Bäumen und Pilzen, scheint sich hier von selbst zu regenerieren, da die Setzlinge Ihre Pilzsporen quasi mitbringen. An dieser Stelle macht es wohl wenig Sinn, das alte Grabenentwässerungssystem wieder instand zu setzen zu wollen, da die A6 eine „Durchwässerung“ zerschneidet. Angesprochen auf die Auswirkungen eines Windparks auf den Wasserhaushalt und die ökologischen Auswirkungen an dieser Stelle, waren die Aussagen des Försters zurückhaltend, da es ein hydrologisches Gutachten noch nicht gibt und eine Beurteilung nicht möglich sei. Aber letztendlich haben rein wirtschaftliche Kriterien zum Aus der Windparkpläne geführt, so dass wir uns um die Abwägungsprozesse und die Entscheidung „drücken“ konnten.
Als letzte Station machten wir einen Halt im Hochholz, wo wir sehen konnten, dass das Absterben der Buchen in einem größeren Ausmaß fortschreitet als gedacht. Die Buche hilft sich bei Trockenheit selbst, indem sie die Baumkronen von oben absterben lässt, um unten durch buschige Seitentriebe überleben zu können. Eine interessante Strategie des Forstes ist, den noch vorhandenen Schirm der alten Bäume als Schutz zu nutzen, um durch Unterpflanzungen eine neue Baumgeneration hochzuziehen, die dann in einigen Jahrzehnten den Altbestand ersetzen soll. Um dem Wildverbiss entgegenzuwirken, sieht man mittlerweile in großer Zahl Holzstäbe und umgatterte Areale – ein schon fast ewiger „Kampf“ zwischen Jägern und Förstern. Um die Regeneration zu fördern, ist es notwendig, gezielt Bäume zu „entnehmen“, wie es Förster gerne bezeichnen. Dies stößt beim Waldbesucher oft auf Unverständnis, da solche Aktionen immer unschöne Spuren hinterlassen, ist aber notwendig, um „Luft und Licht“ auf den Boden zu bringen.
Zum Abschluss erwartete uns Frau Ehnert im Waldklassenzimmer und berichtete kurz über die kleinen „Waldfreunde“, Kinder von der Sambugaschule und aus Walldorf, die dann später alles mit eigenen Augen sehen können.
Wir danken allen Beteiligten für diese interessante, aufschlussreiche Exkursion.