CDU Stadtverband Walldorf

Niederschwellige Hilfen im Bereich der Pflege nahbar gemacht

„Vorsorge aktiv“ mit zahlreichen Experten fortgesetzt

Artikel in der Walldorfer Rundschau 2023 Nr. 38 auf Seiten 8 und 9.

Die Walldorfer Rundschau 2023 Nr. 38 | Foto: Dr. Clemens KrieselDie Walldorfer Rundschau 2023 Nr. 38 | Foto: Dr. Clemens Kriesel

Die Veranstaltungsreihe „Vorsorge ak- tiv“ wurde im katholischen Pfarrsaal  unter dem Titel „Besondere Heraus- forderungen in der häuslichen Pflege  und Betreuung“ fortgesetzt. Für die  Veranstaltung war dieses Mal ein an- deres Format gewählt worden, als bei  der Premiere im Mai. Damals standen  Expertinnen und Experten verschiede- ner Themenblöcke an Infoständen zu  Gesprächen und zum Informations- austausch bereit. Dieses Mal stellten  sich die Verantwortlichen verschie- dener Einrichtungen und Organisa- tionen auf der Bühne vor und infor- mierten über ihre jeweiligen Angebote  und Dienstleistungen. Rund 30 Gäste  waren der Einladung in den katholi- schen Pfarrsaal gefolgt und hörten den  Experten zu.  Zwar sei das Thema Pflege „hochwich- tig“, werde aber gerne verdrängt, wies  Bürgermeister Matthias Renschler in  seiner Begrüßung auf die allgemeine Zu- rückhaltung hin, sich damit auseinan- derzusetzen. Daher sei es wichtig, „dass  wir diese Themen angehen, denn fami- liäre Krisen können jeden betreffen“.  Die Veranstaltung trage dazu bei, sich  zu informieren. Seinen Dank sprach der  Bürgermeister den beteiligten Fachleu- ten aus, verbunden mit einem Appell an  das Publikum: „Knüpfen Sie bereits heu- te die Kontakte, die irgendwann wichtig  werden können“. Sein besonderer Dank  galt Andrea Münch von der IAV-Stelle,  die die Veranstaltung organisiert hatte  und sich seit vielen Jahren in den The- men Soziales und Senioren engagiere.  Pflegen und leben Mit einem Impulsvortrag startete Karin  Kircher den Reigen informativer Vorträ- ge. Die Demenzexpertin sprach über die  Herausforderungen und Belastungen für  und Bedürfnisse von Menschen, die ihre  Angehörigen pflegen. Immerhin findet  für rund 80 Prozent der Pflegebedürf- tigen die Pflege im häuslichen Umfeld  statt, informierte Kircher. „Wir wollen  das Leben aller Beteiligten lebenswert  gestalten“, formulierte sie den Anspruch  ihrer Arbeit. Anhand eines Beispiels aus  einer von einem Pflegefall betroffenen  Familie schilderte sie anschaulich, wie  groß der Aufwand für pflegende Ange- hörige ist, und zeigte Bewältigungstipps:  unabhängige Beratung einholen, Thera- peuten und Krankenkassen zu Hilfsmit- teln fragen, Austausch mit anderen Pfle- genden suchen. Auch feste Tagesabläufe  helfen dabei, Strukturen zu schaffen, die  Freiräume ermöglichen, so die Demenz- expertin. Das Motto ihrer Arbeit lautet   „Pflegen und leben!“ Dabei sei auch  Humor sehr hilfreich, „denn manchmal  müssen wir einfach mal lachen“.  Andrea Münch stellte ihre IAV-Stelle  vor, die sie als erste Anlaufstelle versteht.  „Wir arbeiten alle gerne in einem Netz- werk“, bezog sie die anderen anwesen- den Experten mit ein und betonte, wie  wichtig Zusammenarbeit ist. „Es ist uns  ein Anliegen, individuelle Lösungen zu  finden“, so Münch, die deutlich mach- te, dass leider immer noch die meisten  Menschen erst zu ihr kommen, „wenn  ein bestimmtes Thema brennt“ – sprich  die Krise akut ist. Daher warb sie dar- um, die kostenfreie und unabhängige  Beratung im Rathaus wahrzunehmen,  vor allem um Krisen vorzubeugen.  Menschen niederschwellig erreichen Kostenfrei sind grundsätzlich alle An- gebote, die an dem Abend vorgestellt  wurden. Es gehe darum, die Menschen  niederschwellig zu erreichen, waren  sich die Experten einig. Das betonte  auch Bernd Schumann, der als Sozial- arbeiter beim Baden-Württembergi- schen Landesverband für Prävention  und Rehabilitation (Bwlv) Fachstelle  Sucht in Wiesloch und Leimen tätig  ist. Auch in Walldorf gibt es eine Au- ßenstelle der Einrichtung. „Wir gehen  in Schulen, machen Prävention und  Aufklärung“, beschrieb Schumann sei- ne Tätigkeitsfelder, zu denen natürlich  ebenso Beratungsangebote sowie Hilfe  bei Obdachlosigkeit gehören. „Es ist  oft auch Lebensberatung“, schilderte  Schumann und betonte, dass man der  Schweigepflicht unterliege. „Wir bera- ten anonym und erarbeiten Lösungen“,  lautet das Prinzip des Experten. Auf  die Frage, welche Süchte besonders im  Alter auftreten könnten, nannte Schu-  mann Medikamentenabhängigkeit, die  oft unterschätzt werde.  Kirsten Ehrhardt von der Ergänzen- den unabhängigen Teilhabeberatung  (EUTB) Rhein-Neckar hat sich der  Teilhabe behinderter Menschen ver- schrieben. Sie berät mit ihrem Team  alle Menschen mit Behinderungen,  von Behinderung bedrohte Menschen,  aber auch deren Angehörige. Eine of- fene Sprechstunde wird in Walldorf  in der Scheune Hillesheim angeboten,  dienstags und donnerstags jeweils von  10 Uhr bis 12 Uhr. „Wir beraten nach  den Bedürfnissen der Ratsuchenden“,  so Kirsten Ehrhardt. Zum Beispiel im  Vorfeld der Beantragung von Leistun- gen und zu allen Fragen rund um Re- habilitation und Teilhabe. Stefan Krauth, Leiter des Sozialpsych- iatrischen Dienstes des Sozialpsychi- atrischen Hilfsvereins Rhein-Neckar  (SPHV), stellte die zahlreichen Angebo- te des Sozialpsychiatrischen Zentrums  Wiesloch vor. Zum Leistungsspektrum  zählen der sozialpsychiatrische Dienst,  eine Tagesstätte, das Restaurant „Alte  Schuhfabrik“, arbeitsorientierte Ange- bote am Standort Alte Druckerei und  Betreuungsdienste der vollstationären  Abteilungen sowie Intensiv Betreutes  Wohnen für junge Menschen. Es gehe  oft auch um Hilfestellung bei der In- tegration in den zweiten oder ersten  Arbeitsmarkt. „Wir sind keine Dienst- leister in der Pflege“, schränkte Krauth  während seiner Ausführungen ein. Die  Dienstleistungen seien aber kostenlos,  niederschwellig und „jeder Mensch  kann sich bei uns eine Grundberatung  holen“.  Mit ihrem Kurzimpuls setzte Silke Küb- ler von der Ökumenischen Hospizhilfe  Südliche Bergstraße den Schlusspunkt


der Vorträge. Die Hospizarbeit sei ein  Thema, zu dem man sich „nicht gerne  hinbewegt“, weiß sie aus Erfahrung.  Aber man sehe es als gesellschaftliche  Aufgabe, das Thema in die Öffentlich- keit zu tragen. „Wir gehen dahin, wo  die Menschen wohnen“, erklärte sie. Ihr  Dienst komme nicht nur den Menschen  zu Gute, die sich an ihrem Lebensende  befinden. „Manchmal ist es gut, dass  derjenige, der pflegt und versorgt, Zeit  für sich hat“, verdeutlichte Kübler die  Unterstützung der Angehörigen. Sie  weiß auch, dass schon Kleinigkeiten im  Alltag große Wirkung entfalten: „Wir  halten auch einfach eine Hand.“ Ihr  Dienst höre jedoch nicht auf, wenn je-  mand verstirbt, warb sie außerdem für  das Angebot der Trauerbegleitung. Und  auch die Jugendarbeit liege dem Verein  am Herzen. Das Thema der Sterbebe- gleitung wirkte scheinbar emotional am  stärksten auf einige Gäste aus dem Pub- likum, die nach dem Vortrag von Silke  Kübler ihre persönlichen Erfahrungen  mit unterschiedlichen Einrichtungen  der Hospizhilfe schilderten. Es war ein  durchweg positiver Tenor herauszuhö- ren, was Kübler sichtlich freute. Zum  Ausklang der Veranstaltung hatten die  Besucher die Möglichkeit, mit den Ex- pertinnen und Experten persönlich zu  sprechen und Informationsmaterial  mit nach Hause zu nehmen.