Eine Volkspartei entsteht

die Gründung der CDU

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer
Mit der Unterzeichnung der Kapitulation am 7/8. Mai 1945 ging die Regierungsgewalt in Deutschland an die Siegermächte über. Ehemalige Politiker, Gegner des Nationalsozialismus, die die Hitlerdiktatur überlebt hatten, fanden einen Alltag vor, der von der Zerstörung der Städte, der Sorge um Nahrung, Kleidung und Unterkunft, dem Elend der Flüchtlinge, der Suche nach Familienangehörigen und der Angst um ihr Schicksal bestimmt war.

Es gab weder Reisemöglichkeiten noch Postverbindungen, Rundfunk und Zeitungen waren eingestellt. Parteibüros und Versammlungsräume waren häufig ausgebombt; Papier, Schreib- oder Druckmaschinen waren Mangelware. Während Not und Hoffnungslosigkeit die meisten Menschen lähmten und zu einer völlig apathischen Haltung gegenüber allem Politischen führten, suchten einige wenige Männer und Frauen sofort nach Kriegsende die politische Tätigkeit der Deutschen durch die Sammlung Gleichgesinnter zu aktivieren.

 

Dies gelang bei den früheren Mitgliedern der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei durch die Anknüpfung an die alte Organisation ziemlich rasch. Schwieriger gestaltete sich die Neuorganisation der Anhänger christlich, liberal, demokratisch und/oder national orientierter Vorstellungen, die in der Weimarer Republik in eine Vielzahl von Parteien zerfallen waren. Zur Sicherung einer funktionierenden Demokratie und zur Abwehr der kommunistischen oder sozialistischen Weltanschauung erschien die Zusammenfassung dieser politischen Kräfte notwendig.

 

Die Initiatoren knüpften dabei an die negative Erfahrung der Parteienzersplitterung in der Weimarer Zeit und an das Bewußtsein der verbindenden Gemeinsamkeiten im Kampf gegen das NS-Regime an. Nur eine Sammelpartei auf christlicher Grundlage, die die konfessionellen und sozialen Gegensätze überbrückte, konnte durch die breite Anhängerschaft im Volk eine Parteienzersplitterung verhindern. 

Überall in Deutschland bildeten sich spontan und
unabhängig voneinander Gruppierungen, die dieses Ziel, die Schaffung einer interkonfessionellen Partei, als notwendig ansahen und schließlich die Gründung der CDU herbeiführten. Die erste Zulassung von deutschen Parteien erfolgte am 10. Juni 1945 in der sowjetischen Besatzungszone. Neben SPD, KPD und LPD wurde in Berlin am 26. Juni 1945 die Christlich Demokratische Union Deutschlands gegründet. Der Berliner Gründerkreis war von Anfang an bestrebt, die CDU in ganz Deutschland durchzusetzen. Dies gelang zunächst nur im Gebiet der SBZ. 

 

Die französische Militärregierung zögerte bis Dezember 1945 mit der Genehmigung der Partei und gestattete dann zunächst die Gründung von Landesparteien, ohne vorher Ortsgruppen zuzulassen. Eine Wiedergründung des Zentrums scheiterte auch hier, man beschloß die Gründung einer überkonfessionellen Partei. Die Politik der französischen Militärregierung, die gegen alle gesamtdeutschen Tendenzen gerichtet war, wirkte sich auch auf die Parteientwicklung der CDU aus. Sie verhinderte nicht nur einen Zusammenschluß auf Zonenebene, sondern verbot den Delegierten der französischen Zone wiederholt die Teilnahme an Tagungen der CDU aller Zonen, dennoch war ein Informationsaustausch mit den Parteien in den anderen Ländern möglich.

 

 

In der amerikanischen Zone erfolgte die Zulassung von Parteien durch eine Direktive des Generals Eisenhower vom 6. 8. 1945 zuerst auf Orts- und Kreisebene. Die Parteien, die vor der „Machtergreifung" schon bestanden, besonders die Parteien der Linken, waren auch hier im Vorteil, weil sie auf Organisationserfahrung zurückgreifen konnten, während die christlichen Demokraten organisatorisch und politisch Neuland betraten. Die Gründung der CDU in Nordbaden war beispielsweise nicht das Werk einer einheitlichen Kommission, sondern dreier verschiedener Gruppen in Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg, die sich gesondert nach Kriegsendezur Erörterung politischer Fragen zusammengefunden hatten. In diesen losen, sporadisch organisierten Zirkeln von in der Mehrzahl ehemaligen Zentrumspolitikern spielte der Gedanke der Neugründung des Zentrums so gut wie keine Rolle mehr. Noch während der französischen Besatzungszeit wurde in Karlsruhe die Bildung einer großen, interkonfessionellen christlichen demokratischen Partei mit einer „starken und unentwegten sozialen Einstellung" beschlossen, die dann am 14.08. 1945 im ehemaligen Landtag endgültig gegründet wurde; ihr Name war CDP. Zwei Monate später erfolgte die Gründung der CDP in Mannheim und schließlich am 8. November 1945 in Heidelberg. Hier entschied man sich im Gegensatz zu den bestehenden Parteibezeichnungen CDP und CDU für den Parteinamen CSU. Der Heidelberger CSU gelang es zunächst, nur im engeren Landkreis Heidelberg Fuß zu fassen. Den Abschluß der Neugründungen in Nordbaden bildete die Gründung des Landesverbandes Nordbaden auf dem Parteitag in Heidelberg am 10. Februar 1946. Hier entschieden sich die Delegierten endgültig entsprechend den Empfehlungen der „ 1. Reichstagung der Christlichen Demokraten" im Dezember 1945 in Bad Godesberg für die einheitliche Bezeichnung „Christlich Demokratische Union". 


Von den Seiten 13-15 der Broschüre 50 Jahre CDU.

 

Nach oben