Verabschiedung von Michael Schneider und Hannelore Blattmann

Rede im Gemeinderat

Wir verabschieden heute zwei Fraktionsmitglieder. Viele gemeinsame Jahre haben wir zusammen verbracht, Stunden und Tage geschimpft und gelacht, wir haben Krisen gemeistert, schwierige Entscheidungen treffen müssen, wir haben viel Schönes erlebt, wir durften an spannenden Prozessen teilhaben, Zukunft gestalten, die jetzt Gegenwart ist. Was gibt es Schöneres, als durch Walldorf zu gehen und sagen zu können, dieser Kindergarten, diese Schule, diese Baugebiet - daran waren wir beteiligt.

Wir haben in all den Jahren viel, sehr viel Geld in Gebäude investiert – die Astoria-Halle, das Ärzte-Zentrum an der Drehscheibe, die Neue Soziale Mitte, das neue Hallenbad – das alles wurde neu gebaut – wir haben viel, sehr viel Geld in die vorhandene Substanz gesteckt, in die bereits vorhandenen Schulen & Kindergärten, ins Jump - wir haben neue Baugebiete erschlossen – zuerst Mühlweg, dann Walldorf Ost und aktuell Walldorf Süd – wir haben eine große Straße, die Südumgehung gebaut und dann dem Land geschenkt – wir haben viele innerörtliche Straßen saniert und wahnsinnig viel Geld in den Untergrund versenkt und die Kanäle, Wasserleitungen und was sonst noch dort rumliegt auf den neusten Stand gebracht.

Wir haben es geschafft, Edeka, Lidl, Aldi und Roßmann ins Stadtgebiet zu integrieren – wir haben unseren Kernbereich, die Hauptstraße und die Drehscheibe mit Ihren Ausläufern und ihre Geschäfte und  die Gastronomie soweit es ging erhalten und das in einer Zeit, in der in vergleichbaren Gemeinden oft nur noch Öde vorherrscht und die Bäcker und Metzger längst ausgestorben sind.

Nie haben wir aber das Wichtigste vergessen - die Menschen  - ihnen galt unsre, Eure Sorge und Fürsorge am allermeisten. Wir fahren Hilfsprogramme für Menschen in Not, wir bauen gerade ein soziales Zentrum am Kreisel für die Kleiderstube, für die Tafel und Plattform – es gibt den Mittagstisch, die Generationenbrücke, die Hilfe zur Selbsthilfe, den Arbeitskreis Asyl, Fair Trade, um nur ein paar wenige herauszugreifen. Wir haben tolle Angebote für unsere Senioren, wir bauen Sozialwohnungen und Wohnungen für finanziell schwach gestellte.

Wir haben ein tolles Vereinsleben in einer breiten Vielfalt vom Sport bis zur Kunst und viele ehrenamtlich tätige Mitbürger, die das alles am Laufen halten.

„Dies alles und noch viel mehr“ ist während Eurer Amtszeit passiert - dies alles habt Ihr mit entschieden, mit gestaltet und dabei Weitsicht bewießen!

Michael Schneider ist 2003 für Christa Birkenmaier nachgerückt und wurde dreimal überzeugend wiedergewählt. Ich will jetzt nicht die ganzen Ausschüsse wiederholen, in denen Du mitgewirkt hast. Für uns war immer deine Kompetenz in „Baufragen“ sehr wichtig. Als selbstständiger Bauunternehmer, hier vor Ort, konntest Du uns immer kompetent beraten. Als Vertreter der Middle-Agers – wie das damals so schön hieß – warst Du unser „Ohr“ und „Gewissen“ für diese Altersgruppe. All dies hat unsere Stellungnahmen entscheidend beeinflusst. Deine offene, gewinnende Art war wichtig für das Klima in der Fraktion und Garant für das gute „Gesamtklima“ im Gemeinderat. Dass du nie der „große Redner“ warst und dass dir das Schreiben von Stellungnahmen nie leicht von der Hand ging, war uns nie wichtig – wichtiger war uns, was Du zu sagen hattest!

Lieber Mike, die CDU Walldorf dankt Dir für unzählige Stunden, die Du mit uns verbracht hast. Wir haben Deine Entscheidung respektiert, nicht mehr zu kandidieren – ungern, da uns Deine Stimmen gefehlt haben und weil wir Dich mögen!

Aber „Geschäft geht vor“ und die Belastung wird leider nicht weniger. Wir wünschen Dir für Deine berufliche Zukunft alles erdenklich Gute und hoffen, dass auch ein paar Stunden für Deine Hobbys Motorrad- und Skifahren, deine neue Leidenschaft Golf und noch ein paar mehr Stunden für Deine Familie „übrig“ bleiben.
 

Hannelore Blattmann wurde erstmals 1994 in den Gemeinderat gewählt und gehörte ohne Unterbrechung 25 Jahre dem Gremium an. Hannelore war eine prägende Persönlichkeit dieser Epoche. Eine Herzensangelegen-heit waren ihr immer die Belange der sozial Schwachen und der älteren Mitbürger – Hannelore war, wie es ein Fraktionskollege formuliert hat „Das soziale Gewissen“ der CDU. Das zeigt sich auch darin, dass sie durch-gängig seit 1994 Mitglied im Sozialausschuss war und sich um „Ihre Leute“ gekümmert hat. Stets ein Anliegen war Ihr eine familiengerechte Bedarfs-planung in den Kindergärten und auf unserer Seite hat sie sich voraus-schauend für moderne Betreuungskonzepte in den Kindergärten eingesetzt. Im Ausländer-Ausschuss, solange dieser gebraucht wurde, war Hannelore aktiv und hat vielen „Russland-Deutschen“ den Start in der selbst gewählten neuen Heimat mit „Rat“, vor allem aber auch mit „Tat“ geholfen. Hannelore selbst hat dieses Schicksal als Kind miterlebt, als ihre Familie aus Parabutsch, im heutigen Serbien, vertrieben wurde. Wie viele Donauschwaben fand ihre Familie in Walldorf Aufnahme und musste sich unter den widrigen Bedingungen der Nachkriegszeit eine neue Existenz aufbauen. Das ist ihr, wie vielen anderen, vorbildlich gelungen.

Vieles zurückgegeben - Paprika, Gulasch aus der Heimat – Dialekt -

Viele wären zufrieden gewesen, sich selbst eine gute Zukunft zu sichern – nicht Hannelore. Sie hat sich von Anfang an in der katholischen Kirche engagiert, war lange Jahre Vorsitzende der katholischen Frauengemein-schaft Deutschlands und 20 Jahre Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Sie ist die Triebfeder der „Kleiderstube“ und des „Mittagstisches“.

Als Anerkennung dieses außergewöhnlichen ehrenamtlichen Einsatzes verlieh ihr Christian Wulff 2011 das Bundesverdienstkreuz.

Liebe Hannelore, die CDU Walldorf sagt „Danke“ für Dein Engagement in all den vielen Jahren deiner Gemeinderatszugehörigkeit. Hannelore war in den letzten Jahren zunehmend durch Schmerzen geplagt und wir können es nachvollziehen, dass Du nicht noch einmal kandidiert hast. Groß war auch der Verlust als Dein Mann Heinz unheilbar erkrankte und dich nach einer kurzen Leidenszeit für immer verlassen musste. Mit ihm konntest Du alles teilen und diese Lücke blieb, wie wir es immer wieder feststellen mussten.

Hannelore, wir haben dich immer bewundert für deine Hilfsbereitschaft und Zähigkeit auch in schwierigen Situationen. Umso mehr blicken wir in Dankbarkeit auf 25 Jahre zurück, die wir als Fraktion mit Dir teilen durften.

Als Dein „PC“ – das bedeutet „Privat Chauffeur“ – hatten wir nach den Sitzungen immer eine kurzen gemeinsamen Weg und ich danke Dir für die offenen Worte und für Dein Vertrauen – ich werde diese Fahrten vermissen!

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